Die Zeit ist abgelaufen - das Ende der mechanischen Uhr
Die ersten „Uhren“ der Menschheitsgeschichte waren natürlicher Herkunft - allerdings eignete sich die Beobachtung von Sternenhimmel und
Mondphasen lediglich für großzügige Maßeinheiten, und selbst die etwa 3.000 v.Chr. aufkommende Sonnenuhr konnte den Tag nur in grobe Stücke
unterteilen.
Die erstmalig 1.400 v.Chr. erwähnte Wasseruhr wurde zunehmend präziser und erhielt um 200 v.Chr. sogar Zifferblatt und Zeiger.
Bis ins Mittelalter behalf man sich mit Zeitmessern aus Kerzen, Öllämpchen oder Räucherstäbchen, deren Brenndauer bekannt war, sowie mit der
bis heute beliebten Sanduhr.
Mitte des 13. Jahrhunderts betrat die mechanische Uhr die Bühne der Zeitmessung - damals noch ein imposantes Statussymbol aus mächtigen
Zahnrädern und mit langsam schwingendem Pendel, das zunächst in großen Kathedralen oder Klöstern die Gebetstermine einläutete, später in
wohlhabenden Städten weitaus profaner als Zurschaustellung ihres Reichtums diente.
Zunehmende Erfahrung in der Feinmechanik ließ die Uhren nicht nur dermaßen schrumpfen, dass sie bequem in die Taschen der Kleidung passten,
sondern erhöhte darüber hinaus ihre Ganggenauigkeit enorm – bedeutsam insbesondere für die Borduhren der Schiffe zur präzisen Positionsbestimmung
in der stetig wachsenden Seefahrt auf den endlos scheinenden Ozeanen.
Die Einführung des elektrischen Stroms als Antrieb machte bereits einen wesentlichen Teil der Uhrenmechanik entbehrlich – sie benötigte keine
Feder mehr, welche die nötige Energie für ihren Betrieb speicherte, und entsprechende komplizierte Aufziehmechanismen entfielen damit ebenfalls
ersatzlos.
Durch die Entdeckung der Eigenschwingung des Quarzkristalls wurden sogar aufwändige mechanische Zeitgeber wie Pendel oder Unruh überflüssig –
hier messen Oszillatoren und Transistoren die Zeit und erreichen dabei eine Abweichung von weniger als einer Sekunde pro Tag. Und selbst diese
minimale Ungenauigkeit kann bei Funkuhren durch entsprechende Synchronisierung mit externen Zeitmessern beinahe vollständig beseitigt werden.
Um 1970 begann man sogar damit, die Zeiger zu ersetzen. Leuchtdioden oder Flüssigkristalldisplays zeigen seitdem auf Knopfdruck oder permanent
die Zeit an – und wenn man die Uhr auseinandernimmt, findet man kein einziges bewegliches Teil mehr in ihrem Inneren…
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